Welche Geschäfte Investoren
wirklich interessieren

27. September 2021


Start-ups und Projektinitiatoren denken häufig, dass Investoren an jeder Ecke mit einem Geldkoffer stehen und glücklich sind, wenn ein Projektinitiator 2% Zinsen zahlt. Dem ist definitiv nicht so. Und sind wir mal ehrlich: Wer investiert schon Tausende oder gar Millionen von Euro ohne den Projektinitiatoren so richtig auf den Zahn gefühlt zu haben? Denn schließlich geht es hier nicht nur um Geld, sondern um eine jahrelanges Engagement, egal ob als Aktionär oder strategischer Investor. Auf was achten Investoren also wirklich, bevor sie sich entscheiden in ein neues Projekt zu investieren?

Die Idee allein reicht nicht aus
Die Start-ups und Projektinitiatoren sind natürlich überzeugt von ihrer Idee, ihrem Produkt oder ihrem Geschäftsmodell und erwarten die gleiche Begeisterung von potentiellen Investoren. Sie meinen, dass eine gute Idee allein ausreicht, um Investoren zu überzeugen.
Die Idee und das Produkt sind natürlich wichtig. Vor allem sollte von Anfang an - kurz und knackig - erklärt werden, welches Problem es für den Kunden löst und was daran neu und innovativ ist. Denn wer investiert schon in eine veraltete Produktidee?
Ein anderer wichtiger Faktor für Investoren ist der Patentschutz. Kann das Produkt geschützt oder patentiert werden, um zu verhindern, dass die Konkurrenz zu schnell auf das Pferd aufspringt und den Markt mit Kopien flutet?
Aber fragt man Investoren, was wirklich wichtig ist, dann stehen das Produkt oder die Idee meist nicht an erster Stelle. Womit wir schon beim zweiten Punkt wären.

Das Gründerteam – die Chemie muss stimmen
Die meisten Kapitalgeber achten vor ihrem Investment vor allem auf die Gründerperson und ihr Team. Denn der Erfolg eines Produktes hängt nicht allein vom Produkt selbst ab, sondern von der Exzellenz des Teams dahinter.
Ein Investor nimmt den Gründer und sein Team gründlich unter die Lupe, denn schließlich geht es darum, sein Geld zu investieren und eine langjährige Partnerschaft aufzubauen. Da muss die Chemie schon stimmen.

Ein Investor will einfach wissen, mit wem er es zu tun hat und interessiert sich für die Erfahrung und Einstellung des Gründers. Hat dieser schon andere erfolgreiche Unternehmen aufgebaut und ist er Experte in dieser Branche? Welches Mindset, welche Einstellungen hat der Gründer? Welchen Charakter besitzt er und ist dieser kompatibel mit dem des Investors? Der Gründer ist schließlich der Fahrer des Wagens. Und was bringt das beste und teuerste Auto, wenn es bei der ersten Fahrt zum Unfall kommt?
Und genauso verhält es sich, wenn es um das Team geht. Ein Kapitalgeber schaut darauf, ob das Team das notwendige Know-how besitzt und Erfahrungen vorweisen kann. Denn ein außerordentliches Team kann auch ein mittelmäßiges Produkt zum Erfolg bringen. Wohingegen ein mittelmäßiges Team auch mit einem außergewöhnlichen Produkt scheitern kann.

Bei der Kommunikation zwischen Investor und Gründerteam sind Ehrlichkeit, Transparenz und Offenheit für Feedback extrem wichtig. Schließlich geht es darum, an einem Strang zu ziehen und Vertrauen aufzubauen, um das neue Unternehmen gemeinsam voranzubringen.

Das Marktpotenzial sollte gründlich analysiert werden
Ein weiterer wichtiger Punkt für den Investor ist das Marktpotenzial des Produktes. Besitzt das Produkt ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem es sich von der Konkurrenz abheben kann? Ist der Markt groß genug, um längerfristig Erfolg zu haben?
Bei diesem Thema sollten das Start-up oder die Projektinitiatoren gute Vorarbeit leisten und Zielgruppe sowie Konkurrenz ganz genau analysieren. Ein professioneller Investor durchschaut schnell, wer seine Hausaufgaben gemacht, beziehungsweise nicht gemacht hat.

Das Portfolio ermöglicht gute Netzwerke
Investoren besitzen Geld und halten stets Ausschau nach neuen und innovativen Projekten, in die sie investieren können. Aber das heißt nicht, dass sie bereit sind, in jede beliebige Branche zu investieren. Viele Investoren haben spezifische Interessen, Kenntnisse oder auch Vorlieben für bestimmte Branchen.
Deshalb sollte ein Projektinitiator bei der Investorensuche auch darauf achten, in welche Branchen dieser bisher investiert hat und sich das Portfolio des Kapitalgebers genau ansehen. Investoren besitzen oft ein homogenes Portfolio, welches es ihnen ermöglicht Synergien zu schaffen und sich einfacher mit anderen Firmen in der Branche zu vernetzen.

Die Beteiligungsquote ist oft ausschlaggebend
Nun sind wir bei einem der wichtigsten und ausschlaggebendsten Punkte angelangt – der Beteiligungsquote. Viele Verhandlungen und Pitches scheitern trotz großartiger Produktidee an einer zu niedrigen Beteiligungsquote. Hier geht es um konkrete Zahlen und viele Projektinitiatoren schrecken vor einer zu hohen Beteiligungsrate zurück. Sie möchten nicht zu viel vom Kuchen abgeben und vergessen dabei, dass das Projekt ohne Investor gar nicht möglich wäre und dieser deshalb eine wichtige Rolle spielt, die auch belohnt werden muss.

Über welche Zahlen sprechen wir hier? Viele Investoren machen keine Geschäfte unter einer Beteiligungsquote von 10-30%. Manche Investoren wollen auch deutlich mehr. Denken Sie z.B. an AMAZON. Jeff Bezos gehören gerade mal etwas über 11% „seiner“ Aktien. Und dabei gilt natürlich: je höher das Investment, desto höher sollte auch die Beteiligungsquote ausfallen.

Der Investor gibt dem Unternehmen in der frühen Phase den Treibstoff und bringt damit alles ins Rollen. Ohne ein Investment im Frühstadium bleibt eine Idee nur eine Idee. Und außerdem geht ein Investor bei jedem Investment ein Risiko ein. Die Projektinitiatoren sollten bedenken, dass der (strategische) Investor nicht nur Kapital mitbringt, sondern auch mit Know-how, Erfahrung, Netzwerk und Branchenkenntnissen unterstützen kann.
Die Beteiligungsquote ist also ein Faktor, den ein Projektinitiator im Vorab für sich abklären sollte, um nicht sofort auf der schwarzen Liste der Investoren zu landen.

Auf was Investoren also wirklich achten
Als Erstes zählt die Story, also welche Geschichte, welche Idee steckt hinter dem Produkt, der Dienstleistung. Wie wird das Projekt kommuniziert? Denken Sie dabei an Tesla oder Facebook oder AirBnB. Deshalb ist zum Beispiel Pressearbeit und ein erstklassiger Web Auftritt, neben perfektem Business Plan und Pitchdeck zwingend notwendig. 

Als Zweites kommt das Team. Investoren achten peinlich genau auf die Personen hinter der Geschäftsidee, denn sie wissen, dass ein kompetentes und motiviertes Team fast jedes Produkt zum Erfolg bringen kann.

Es ist wichtig, dass der Funke überspringt und die Chemie zwischen Gründerteam und Investor stimmt. Ein Investor kennt den Mehrwert sowie das Kapital, das er mitbringt und investiert aber nur, wenn die Beteiligungsquote und Rendite attraktiv sind und Produkt und Marktpotential überzeugen. Deshalb ist ein gutgeschriebener, vollständiger Lebenslauf inklusive aller Softskills und vorhandener Netzwerke notwendig. Und nicht zu vergessen Photos: Keine Briefmarkenphotos, keine Passbilder, keine Handybilder, sondern bitte vom Profiphotographen. Und glauben Sie uns: Das ist wirklich wichtig.


Bonus: Wie bewerten Investoren Start ups in der Frühphase?
Eine vernünftige Bewertung eines Start ups oder Unternehmens in der Frühphase ist bekanntermaßen schwierig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Eine Faustformel lautet:

A) Eine solide Geschäftsidee allein: 10.000 £
B) Eine solide Geschäftsidee mit einem vernünftig dargestellten Geschäftsplan: 50.000 £
C) Beides, plus ein gutes Managementteam mit entsprechenden Lebensläufen: 250.000 £
D) Alles oben genannte plus ein Verkauf: Jede Zahl über 500.000 £

Fazit
Wie lautet ein altbekannter Anwaltsspruch: Es kommt immer auf den Einzelfall an. Bei Finanzierungen ist das kein Deut anders. Was bei einem Projekt funktioniert, kann beim nächsten in die Hose gehen. Wir von L-Capital, genauso wie jeder Andere, können über die Zukunft und das Verhalten von Investoren im Einzelfall nur spekulieren. Vergessen Sie nicht: Investoren sind auch Menschen, mit allen guten und schlechten Eigenschaften.

Unser Tipp
Stellen Sie sich einfach mal die umgekehrte Situation vor. Sie haben das Geld und wollen es vermehren durch Investitionen. Wie würden Sie vorgehen? Welche Anforderungen hätten Sie an ein Unternehmen und die Personen dahinter, wenn es um Ihr eigenes Geld geht? Würden Sie sich selbst Geld geben? Wenn nicht, vergessen Sie Ihre Finanzierung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Nachdenken.

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AUTOR

Kristin Kersten
Redaktion
L-Capital Presseteam

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